…so hat Trainer Mark Shaffer sie mal in einem Facebook-Post bezeichnet und die meisten wissen jetzt sofort, um wen es sich handelt: Anna Omodeo aus Italien ist eine der beliebtesten Designerinnen für Showclothing in Europa und auch in den Staaten erfolgreich. Da sie selbst eine erfolgreiche Amateur-Reiterin ist, weiß sie, wie wichtig Showclothing sein kann und wonach Top-Reiterinnen suchen. Sie wird von ihren Kundinnen nicht nur für ihre Designs, sondern auch für ihre Ehrlichkeit und Professionalität geschätzt.

The Showlife (TSL): Anna, Du hast dein Showclothing-Business im Jahr 2011 gegründet – kannst Du darstellen, wie es sich über die Jahre entwickelt hat?

Anna Omodeo (AO): Ich habe meine Arbeitsweise eigentlich nicht geändert. Ich folge immer noch demselben Traum: mit Leidenschaft in der Horse Show Szene zu arbeiten. Ich fertige keine „one of a kind“-Outfits an. Ich arbeite gerne mit der Kundin, um maßgeschneiderte Outfits zu kreieren, aber ich weiß natürlich, dass es auch viele tolle Designer gibt, die „one of a kind“-Outfits von höchster Qualität anfertigen. Ich kann auch verstehen, weshalb viele Reiterinnen lieber so ein Outfit kaufen – man kann es anprobieren und anfassen. Was man beim Schneidern auf Maß erlebt, ist etwas Anderes: Das verlangt Wissen und Vertrauen zwischen Kundin und Designer und die Anfertigung des Outfits ist nicht einseitig im Sinne von „Ich entscheide..“ oder „Mir gefällt…“ Es ist die Zusammenarbeit von zwei Köpfen, die unterschiedliche Visionen haben, aber ein gemeinsames Ziel: Ein perfektes Outfit zu kreieren, das auffällt und den „winning touch“ gibt. Jedes Mal, wenn ich Siegerbilder meiner Kundinnen sehe und sie lachen glücklich und selbstbewusst, denke ich an die Geschichte hinter dem Outfit und wie es dazu gekommen ist. Ich bin immer stolz auf meine Kundinnen, da ich sie alle persönlich kenne.

"Aerials" - Custom Weste und Shirt für Nina Leiner; Bild: Anna Omodeo
„Aerials“ – Custom Weste und Shirt für Nina Leiner; Bild: Anna Omodeo

TSL: Du hast bereits angedeutet, dass ein Maßoutfit das Ergebnis eines Prozesses ist und zwei Seiten miteinschließt, Dich und die Kundin. Kannst Du uns erzählen, wie dieser Prozess Schritt für Schritt aussieht?

AO: Für Top-Reiterinnen ist das Outfit ein wichtiger Faktor. Es ist Teil ihrer Identität, erzählt ihre persönliche Geschichte und macht jede von ihnen einzigartig. Wenn mich eine Kundin kontaktiert, sehe ich das als Zeichen von Vertrauen an und nehme es sehr ernst. Ich weiß, dass sie mir nicht nur anvertraut, wie sehr sie im Showring glitzert, sondern dass sie sich wünscht, dass ich etwas kreiere, das einen Teil von ihr darstellt. Ich showe selbst und ich würde nie etwas tragen, worin ich mich nicht gut fühle oder worin ich kein Selbstbewusstsein habe – deshalb ist die erste Frage, die ich mir stellen würde, wenn ich ein Outfit anfertigen lasse, ob ich der jeweiligen Designerin vertraue. Diese erste Phase braucht Zeit, gute Abstimmung zwischen Designer und Kundin und anfangs auch etwas Empathie. Der Kundin sind die Kosten eines solchen Outfits bewusst und sie braucht deshalb Hilfe und Vorschläge, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Eine unkooperative Haltung seitens des Designers zeugt ebenso von schlechter Zusammenarbeit, wie wenn man alle Vorschläge der Kundin ohne Einspruch akzeptiert. Manchmal verlieben sich Kundinnen in das Outfit einer anderen Reiterin und in solchen Fällen ist es meine Aufgabe, ihnen klar zu machen, dass nicht jedes Outfit zu jeder Figur passt oder die richtigen Vorzüge betont. Die beste Herangehensweise ist meiner Ansicht nach, einen Mittelweg zwischen den Ideen der Kundin und meiner Erfahrung zu finden. Das führt meist zu guten Ergebnissen, da das Design dann die Persönlichkeit der Kundin widerspiegelt, ohne die Stilelemente und Schnittelemente, die die Figur betonen, außer Acht zu lassen.

Anna mit ihren Töchtern, Trainer Mark Shaffer und ihrem ehemaligen Pferd Asset Machine. Annas Tochter Alice trägt eine Custom Weste von La Collezione di Anna; Bild: LK
Anna mit ihren Töchtern, Trainer Mark Shaffer und ihrem ehemaligen Pferd Asset Machine. Annas Tochter Alice trägt eine Custom Weste von La Collezione di Anna; Bild: LK

TSL: Ich kann mir denken, dass es leicht ist, mit den europäischen Kundinnen in Kontakt zu kommen, da Du sie auf Shows triffst, aber wie arbeitest Du mit den Kundinnen aus den USA zusammen?

AO: Es unterscheidet sich nicht enorm, dank des Internets gibt es keine Distanz mehr: Fotos, Videoanrufe und eine Anleitung zum Ausmessen machen das Ganze einfacher. Sobald mich eine Kundin kontaktiert, bitte ich sie, mir ein paar Bilder zu schicken – von sich und ihrem Pferd. Zudem frage ich sie ein paar Fragen, die mir helfen, ihre Persönlichkeit kennenzulernen. Außerdem frage ich natürlich, ob das Outfit zu bereits gekauften Chaps, einem Hut oder Pad passen soll. Schließlich sind das teure Investitionen, die man auch benutzen sollte. Wenn es ein Horsemanship oder Showmanship Outfit sein soll, schlage ich vor, dass man sich auch mit dem Trainer absprechen sollte, der dann sagen kann, welche Körperteile man hervorheben sollte und welche nicht. Man darf schließlich nicht vergessen, dass das Outfit nicht nur schön sein soll, sondern auch zur Performance beitragen soll. Nach diesem Schritt folgt dann das Design auf dem Papier. Wie bereits angemerkt, schicke ich der Kundin drei Entwürfe: Einen, der ganz ihrer Idee entspricht, einen, der meine Vision widerspiegelt und einen dritten, in dem unsere Ideen vermischt sind. Da ich immer alle mag, kann ich der Kundin auch keine bevorzugte Wahl sagen, sondern ihr die Entscheidung überlassen.

Anna fertigt nicht nur Western Show Clothing, sondern auch Englischkleidung: Custom Shirt für Laura Pfeifer.
Anna fertigt nicht nur Western Show Clothing, sondern auch Englischkleidung: Custom Shirt für Laura Pfeifer.

TSL: Sobald Ihr ein Design ausgesucht habt, wird die Idee zum Leben erweckt und das Outfit wird angefertigt. Was für Materialien nutzt Du und sieht man einen Unterschied zwischen besserer und weniger guter Qualität?

AO: Die Qualität des Materials ist ein Schlüsselelement und ich habe da meine eigenen Ansprüche. Die Preisdifferenz zwischen Durchschnittsstoffen und denen von höchster Qualität ist nicht so groß, dasselbe gilt für Leder. Deshalb ist meine Philosophie, immer höchst qualitative Stoffe und Leder für die Jackets, Applikationen, Shirts und Hosen zu verwenden. Die Steine –  zum Aufbügeln oder Kleben – gibt es von sehr unterschiedlicher Qualität – ein geschultes Auge wird den Unterschied immer erkennen. Steine von hoher Qualität sind teuer, je nach Größe und Farbe. Natürlich kriegt man eventuell einen Preisnachlass, wenn man entsprechende Mengen kauft, aber jeder, der diesen Artikel liest, kann sich vielleicht denken, dass Kunden immer die Farbe brauchen, die ich nicht vorrätig habe und da sich die Mode ständig ändert, lohnt es sich nicht, große Vorräte zu kaufen. Dasselbe gilt für Steine, die man annäht und solche, die man einsetzt. Solche Steine von den besten Marken haben ihren Preis, aber der Unterschied zwischen guter und schlechter Qualität ist auch offensichtlicher. Auch andere Elemente, zum Beispiel Ketten oder Strassketten sind deutlich teurer, wenn man entsprechende Qualität kauft. Aber meine Kunden kennen den Unterschied, außerdem lässt sich das Outfit mit qualitativen Steinen besser weiterverkaufen und ist auch nach ein paar Turniersaisons noch top in Schuss.

"Rebel Yell", Custom Bolero von Anna Omodeo für Pia Lipps; Bild: Anna Omodeo
„Rebel Yell“, Custom Bolero von Anna Omodeo für Pia Lipps; Bild: Anna Omodeo

TSL: Die letzte – obligatorische – Frage: Kannst Du uns noch ein paar der Trends für 2017 verraten?

AO: Der Haupttrend sind immer noch geometrische Muster auf schwarzem Grund. Ich denke dieser Trend, ebenso wie der Kontrast von leuchtenden Farben, wird noch länger andauern. Ich denke, dass man in 2017 auch wieder zu asymmetrischen Designs und runderen Formen zurückkehren wird, da man sich in der Fashionszene ja immer verändern möchte. Auch die Weste wird immer noch ein fester Bestandteil der kommenden Saison sein, da sie modern und toll zu kombinieren ist. Für Jugendliche ist der Bolero über einem Horsemanship-Body sehr hübsch, vor allem in Trail und Western Riding. Auch das Kombinieren von geometrischen, asymmetrischen Formen mit runderen Mustern ist gerade Trend. Materialmix ist ein großes Thema, dabei sind besonders größere Schmucksteine in Kombination mit den klassischen kleineren Glitzersteinen eine tolle neue Möglichkeit.

Vielen Dank an Anna Omodeo!

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Thanks for ‚The Showlife‘ for this Interview

Pics & Article in courtesy of ‚The Showlife‘ © by Anna Omodeo